Bis Ende 2012 boten Smartphone-Hersteller ihre Geräte in der EU mit einheitlichem Ladegerät an. Das Abkommen ist ausgelaufen. Jetzt droht wieder Kabel-Chaos.
EU-Ladegerät: Durchbruch mit Verfallsdatum
2009 verbuchte die EU-Kommission einen großen Erfolg: Mit führenden Handy-Herstellern (darunter Samsung, Nokia und LG) vereinbarte man die Einführung eines einheitlichen Ladegerätes. Auf diese Weise wollte man die überflüssige Produktion von Ladegeräten eindämmen und so die Umwelt schonen. Darüber hinaus war das Vorhaben auch außerordentlich verbraucherfreundlich.
Allerdings: In ein verbindliches Gesetz wurde diese Vereinbarung nie gegossen. Vielmehr basiert sie auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der teilnehmenden Hersteller. Und die ist Ende 2012 abgelaufen ? und zwar ohne Verlängerung. Schlimmer noch: Die Unternehmen lehnen eine Weiterführung offenbar ab.
Keine Verlängerung der Selbstverpflichtung
Der zuständige EU-Industriekommissar Antonio Tajani ist sauer: ?Ich bedauere diese Haltung zutiefst?, so der italienische Politiker, der seit 2010 als Kommissar für Unternehmen und Industrie und Vizepräsident der Europäischen Kommission fungiert. Gleichzeitig kündigte Tajani Konsequenzen an: Wenn die Industrie sich weiter querstelle, werde man die Möglichkeit prüfen, eine Verpflichtung zum Einbau von genormten Schnittstellen in Aufladegeräte einzuführen. Mehr noch: Die EU plant, den Standard auf andere Geräte wie Digitalkameras, Tablet-PCs und MP3-Player auszuweiten.
Hersteller: Brauchen neue Standards
Und die Industrie? Die bleibt zunächst gelassen und ist der Ansicht, dass eine Verlängerung des Abkommens nicht erforderlich ist. Der europäische Dachverband ?Digital Europe? veröffentlichte eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass man seitens der Hersteller derzeit nicht daran denke, von der erreichten Harmonisierung wieder abzurücken. Allerdings, so der Verband, müsse man weiterdenken: Ein Ladekabel diene heute nicht mehr nur zum Aufladen von Geräten, sondern übertrage auch Audio- und Videosignale oder erlaube das Synchronisieren von Daten zwischen Geräten. Diese neuen Anforderungen erforderten neue Standards, an denen die Hersteller bereits arbeiteten. Eine neue Selbstverpflichtung oder gar ein Gesetz würde diese Innovationen nur behindern. Auch müsse man bedenken, dass eine globale und nicht nur auf die EU beschränkte Lösung sinnvoll sei.
Ein verbindliches Versprechen, auch in Zukunft bei neuen Übertragungsstandards auf einheitliche Schnittstellen zu setzen, enthält die Erklärung nicht. Und so ist unter Umständen neues Kabel-Chaos, verbunden mit noch mehr Elektromüll, vorprogrammiert.
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