Technik-Produkte, die unter menschenwürdigen Verhältnissen entstanden ? wer möchte das nicht? Die Realtiät sieht leider oft anders aus. Gibt es eine Chance, Hardware fair zu produzieren?
Produktion unter problematischen Bedingungen
Smartphones, Tablet-PCs, Computer ? die Geräte werden nicht nur immer raffinierter, sondern sehen auch immer schicker aus. Doch hinter der glänzenden Fassade steht oft viel Leid. Denn viele Produkte namhafter Hersteller entstehen in Fabriken, in denen die Arbeiter für Hungerlöhne schuften müssen. Von den Menschen, die die Rohstoffe wie die begehrten Seltenen Erden aus dem Stollen holen, ganz zu schweigen. Für Schlagzeilen sorgte vor Kurzem zum Beispiel die Firma Foxconn, in der unter anderem Geräte von Apple und Samsung gebaut werden: Arbeiter nahmen sich das Leben, es kam zu Protesten. Einer Studie zufolge entfallen auf jedes produzierte iPhone nur rund sechs Euro Personalkosten. Foxconn-Arbeiter kommen auf einen Monatslohn von rund 120 Euro ? das iPhone gibt es nicht unter 600 Euro.
Die Hersteller versprechen zwar immer wieder, besser auf die Arbeitsbedingungen zu achten. Von fair produzierten Produkten sind wir aber noch Lichtjahre entfernt. Und auch der Elektroschrott landet nicht etwa in modernen Recycling-Zentren, sondern wird häufig nach Afrika verschifft, wo Menschen auf Müllhalden mit bloßen Händen die zum Teil hochgiftigen Stoffe aus Platinen herauslösen.
Fair-Initiativen gehen neue Wege
Dass es auch anders geht, versuchen kleine Hersteller zu beweisen. Für Aufsehen sorgt zum Beispiel die niederländische Initiative ?Fairphone?. Ihr Ziel ist es, ein Smartphone auf den Markt zu bringen, bei dessen Produktion alle Beteiligten gerecht behandelt und entlohnt wurden und das auch so schonend wie möglich recycelt wird.
In Süddeutschland ist ?NagerIT? beheimatet. Der Verein stellt die ?Faire Computermaus? her. Für rund 27 Euro können Sie dort eine Maus kaufen, bei deren Herstellung darauf geachtet wurde, dass sie unter fairen Bedingungen entstand. Hierbei achtet der Verein darauf, dass bei der Produktion der Komponenten zum Beispiel keine Rohstoffe aus Konfliktregionen Verwendung finden. Die Endmontage erfolgt in Behindertenwerkstätten.
Wirklich fair sind IT-Produkte derzeit nie
So sehr sich diese Initiativen auch bemühen, fair produzierte Hardware anzubieten: 100-prozentig fair hergestellt sind die Produkte nie. Das liegt vor allen an den globalen Lieferketten, bei denen man am Ende nicht mehr nachvollziehen kann, wo und unter welchen Bedingungen ein Teil entstand. So gibt NagerIT auch offen und ehrlich zu, dass viele der für die faire Maus zwingend benötigten Bauteile wahrscheinlich unter nicht-fairen Umständen hergestellt wurden, etwa Chip, Linse, Scrollrad oder LEDs.
Was ist zu tun?
Besteht also keine Chance, eines Tages wirklich faire Hardware kaufen zu können? Auf dem Chaos-Computer-Congress Ende Dezember 2012 in Hamburg erläuterte Sebastian Jekutsch vom ?Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung?, dass es durchaus Anlass zur Hoffnung gibt. Voraussetzung sei aber, dass beispielsweise verbindliche Qualitätssiegel eingeführt würden, die über den Herstellungsprozess Auskunft geben. Auch Gesetze seien eine Möglichkeit: In den USA beispielsweise gibt es seit 2010 ein Gesetz, nach dem amerikanische Unternehmen offenlegen müssen, ob sie Rohstoffe aus dem Kriegsgebiet Kongo verwenden. In der EU gibt es bisher die Richtlinie 2002/96/EG über Elektro- und Elektronik-Altgeräte, die den Export von giftigem Elektroschrott verbietet ? die Kontrollen seien jedoch kaum wirksam, sodass dennoch exportiert wird.
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